Works

Bronzegruppe

Vier Frauen mit Tuch (und Wind)
Bronzeguss, poliert, patiniert; jeder Kopf 39 cm

Die Anatomie dieser Köpfe ist verschleiert, anstelle des Gesichts erscheinen sanfte Wölbungen, die unser Wissen um die Beschaffenheit eines Kopfes als verborgenes Gesicht liest. Ebenso verhüllt zeigt sich der Schädel, von dem nach hinten fließende Formen wegschweben. Kein Blick antwortet aus den Köpfen dem des Betrachters. Tatsächlich können Bildwerke ja nicht blicken, aber wir sind an Bilder gewöhnt, die einen Blick künstlerisch ausdruckvoll simulieren und damit beim Betrachter eine emotionale Reaktion auslösen. Das Verbergen eines Blickes dagegen ist distanzierend. Die Vier Köpfe entziehen sich als Mimesis des Teils des Menschen, in dem die Sinnesorgane und das Gehirn lokalisiert sind, wo also die Informationen unserer Sinnesorgane in körperlich-geistige Zustände und Reaktionen umgewandelt werden. Für dieses Sich-Entziehen als Abbild eines Menschen finde ich eine Parallele wiederum in der antiken Kunst: in Griechenland wurden Verstorbene auf Grabstelen dargestellt, wie sie sich einen Schleier oder ein Tuch vor ihr Gesicht ziehen. Im jüdischen Ritus wurde der Verstorbene in Tücher gewickelt ins Grab gelegt – das Neue Testament berichtet, dass die Frauen, die Jesus am Morgen nach seinem Tod salben wollten, in seinem Grab nur noch die leeren Binden vorfanden. Der Topos des Verhüllens ist also mit einer Bedeutung aufgeladen, die dem Sich-Entziehen in einen anderen, einen nicht mehr unserer Erkenntnis zugänglichen Zustand ein Bild gibt. Formal wird bei den Vier Köpfen dieser Eindruck des Sich-Entziehens zusätzlich zu dem verhüllten Gesicht durch die nach hinten wie von einem Gegenwind bewegten Tuchzipfel verstärkt, der den Kopf von unserem Blick wegzutreiben scheint. Dieser Formgebung entsprechen die Möglichkeiten des 3D-Druckes kongenial, den Dagmar Varady zur Herstellung des Gussmodells verwendet hat. Hier kommt die digitale Technik der Übertragung aus einem Foto in eine dreidimensionale Form, mit der sich nur schwerlich Höhlungen und kompliziertere Tiefen oder gratige, scharfe Umbrüche herstellen lassen, den plastisch in sanften wellenartigen Bewegungen verlaufenden Formen entgegen. Auszug